Der spirituelle Aspekt in der Astrologie

von Swami Sri Yukteswar (Meister von Yogananda)

Astrologie ist das Studium über die Reaktion des Menschen auf planetarische Einflüsse. Die Sterne sind weder bewusst wohlwollend, noch feindselig; sie senden einfach negative und positive Strahlen aus. Von sich aus nützen diese weder, noch schaden sie der Menschheit. Sie stellen lediglich einen gültigen Kanal dar für die Gleichgewichte von Ursache und Wirkung, die jeder Mensch in der Vergangenheit in Gang gebracht hat.

Ein Kind wird an dem Tag und zu der Stunde geboren, wenn die himmlischen Strahlen mit seinem individuellen Karma in mathematischem Einklang stehen. Sein Horoskop ist eine Darstellung voller Herausforderungen, denn es offenbart die unveränderliche Vergangenheit und ihre wahrscheinlichen zukünftigen Resultate. Doch das Geburtshoroskop kann nur von Menschen mit intuitiver Weisheit richtig interpretiert werden. Davon gibt es wenige.

Die im Augenblick der Geburt grell am Himmel erstrahlende Botschaft soll nicht das Schicksal betonen - das Resultat vom Guten und Bösen der Vergangenheit -, sondern den Willen des Menschen anspornen, sich aus der Verhexung des Universums zu befreien. Was er getan hat, kann er auch wieder ausgleichen. Niemand außer er selbst war der Verantwortliche für die Ursachen dessen, was sich jetzt in seinem Leben auswirkt. Er kann alle Beschränkungen überwinden, denn er hatte sie von Anfang an durch seine eigenen Handlungen erschaffen und er verfügt gegen sie über spirituelle Möglichkeiten, die nicht dem Druck der Planeten ausgesetzt sind.

Abergläubische Ehrfurcht gegenüber der Astrologie macht uns zu einem Automaten, sklavisch abhängig von mechanischen Vorgaben. Ein weiser Mensch jedoch besiegt die Planeten, das heißt: seine Vergangenheit, indem er seine Treue von der Schöpfung zum Schöpfer überträgt. Je mehr er sein Einssein mit dem unendlichen Geist erkennt, desto weniger kann er von der Materie beherrscht werden. Die Seele ist ewiglich frei, unsterblich, da auch ohne Geburt. Die Sterne können sie nicht herumkommandieren.

Der Mensch ist eine Seele, und er hat einen Körper. Wenn er seinen Identitätssinn richtig einsetzt, dann lässt er von allen zwanghaften Verhaltensmustern ab. So lange wie er in seinem gewöhnlichen Zustand spiritueller Vernebelung versumpft, wird er die unterschwelligen Zwänge des Gesetzes der äußerlichen Umgebung kennen lernen.

Gott ist Harmonie. Der Devotee, der sich darauf einstimmt, wird in keiner Handlung fehlgehen. Seine Aktivitäten werden richtig und zeitlich natürlich mit dem astrologischen Gesetz in Einklang stehen. Nach tiefem Gebet und Meditation findet er Kontakt mit seinem göttlichen Bewusstsein. Es gibt keine größere Macht als diesen inneren Schutz.

Paramhansa Yogananda, Autobiography of a Yogi , 1946 edition, Crystal Clarity Publishers