Gut und Schlecht

Wir Menschen sind zu soviel Schrecklichem fähig, zu solchen Grausamkeiten, dass es keine Worte dafür gibt. Wie kann es da einen Gott geben? Warum verhindert er nicht all diese Schrecklichkeiten? Wenn er wirklich so allmächtig wäre, dann könnte er all das in einer Sekunde stoppen.

Wer so denkt, hat Gott von sich getrennt, und ihn weit weg von sich in den Himmel verpflanzt. Gott (das Sein) ist jedoch in jedem Menschen anwesend. Ohne Gott ist nichts möglich, weder das Gute, als auch das Schlechte. Der Mensch denkt und fühlt, redet und handelt. Wodurch? Was ist die Ursache? Was gibt ihm die Kraft und das Leben? Es ist das Sein, das uns unterschiedslos beseelt und uns denken, reden und handeln lässt. Deshalb ist jede Handlung, jeder Gedanke, jede Tat wesentlich Ausdruck dieses Seins.

Was uns jedoch die ganze Freiheit nimmt, sind die Gedankenwesen , die in uns wirken, die selbst geschaffen oder angezogen wurden und uns lenken. Sie formen das, was wir "Persönlichkeit" nennen. Diese Persönlichkeiten können "gut" oder "schlecht" ausfallen - das schert das Sein nicht weiter, denn das Wesen des Seins ist unendlicher Frieden, Liebe und Glückseligkeit. Das Sein selbst ist ein unbewegter Ozean, der alles enthält. Da wir uns vom Sein abgetrennt haben durch den Glauben, ein Ich zu sein, leben wir nicht in dieser Schwingung, sondern hängen in den Schwingungen unserer Überzeugungen fest.

Gute wie schlechte Glaubensmaxime können uns auf dem spirituellen Weg , dem Weg zurück zu unserem Ursprung hindern, so lange wir der Vorstellung verhaftet bleiben, ein Ich zu sein. Jede Seite, dogmatisch geglaubt und gelebt, ist so gesehen ein Hindernis. Der Unterschied zwischen dem "Gutsein" oder "Schlechtsein" manifestiert sich allerdings recht spürbar in unserem täglichen Dasein. Denn wer Harmonie und Liebe sät, wird Harmonie und Liebe ernten und in seinem eigenen Leben erzeugen, wer Disharmonie und Hass sät, wird diese in sein Leben holen. Unsere Gedanken und Taten wirken wie Wellen, die ein Steinwurf is Wasser erzeugt. Irgendwann kommen diese Wellen zu uns zurück - das ist Karma.

Es gibt aber niemanden, kein höheres Wesen, das straft oder uns Höllenqualen auferlegt. Der Mensch selbst schafft sich seine persönliche Hölle, ganz nach der Art der Gedankenwesen, die er stärkt. Denn die Gedankenwesen können uns schwer zu schaffen machen.

Um sich aus der Knechtschaft der Gedankenstrukturen zu befreien, kann man versuchen, sich in seinem Denken, Reden und Handeln bewusst zu beobachten. Das Innesein ist da eine gute Methode. Auf diese Weise wird die Persönlichkeit allmählich geläutert. Und wem dies genügt, der kann diese Arbeit am eigenen Wesen bis zu seinem Ende vollziehen. Sie ist sicherlich gut - im Sinne des Karmas. Und: sie entwickelt den inneren Beobachter, der vielleicht eines Tages im Stande ist, die Täuschung, der wir alle unterliegen, zu durchschauen und zu durchbrechen - die Täuschung, ein Ich zu sein. Erst durch die standhafte Weigerung, daran weiterhin zu glauben, kann das Erwachen geschehen.

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