Sein

Auf diesen Seiten ist zwar häufig die Rede von Gott, doch gemeint ist nicht der Gott der Kirche, den man sich oben im Himmel vorstellt, weit weg, der straft oder lobt... Hier ist die Rede von Gott im Sinne von Sein, Liebe, Weisheit, von einem Gott der Fülle, der Alles und Nichts ist, der alles enthält, erschafft, sein und vergehen lässt - und doch immer gleich und unwandelbar IST.

Es gibt zwei Arten, auf die man Gott suchen kann: die eine ist, ihn als persönlichen Gott anzusehen und ihn in gewissen Gestalten zu verehren - die andere ist, ihn als unpersönliche Kraft anzusehen, die allem zugrunde liegt und in allem webt und gestaltet.

Erkannt und erlebt wird er von Gottsuchern unterschiedslos in der Erfahrung, die "Erwachen" oder "Erleuchtung" genannt wird.

Kinder leben noch ungebrochen in einem göttlichen Seins-Zustand. Sie kennen noch kein Ich und Du, sie leben glückvoll im Jetzt, im Augenblick, der ja eigentlich die einzige Realität ist, die es gibt. Die Vergangenheit ist nicht mehr wirklich, ist bereits vorbei, die Zukunft hat noch nicht begonnen. Das Jetzt ist ein Schlüssel zum Glück und eine Möglichkeit, jetzt und sofort bei Gott zu sein. Im Innesein kann man üben, im Jetzt zu sein. Das Jetzt ist ein Weg, der kein Weg ist, denn man ist sogleich da.

Jetzt ist Gott hier, in mir, in Ihnen, überall, in jedem Menschen, Tier, Pflanze, Stein, Planeten, Stern, ja in jedem Hundehaufen. Nichts ist ausgeschlossen. Jetzt ist zeitlos, aus dem Jetzt strömen Freude, Frieden und Harmonie. Wenn wir mit Problemen voll gestopft sind, mit Gedanken an gestern und morgen, können wir keinen Frieden finden, und auch Gott nicht finden. Unsere Gedanken erschaffen die eingebildete Trennung von Gott. Denn in Wirklichkeit sind wir niemals getrennt von ihm.

Wir sind es gewöhnt, in allen Dingen unseren Intellekt zu befragen, und er erzählt uns bereitwillig eine Geschichte. Im Geschichtenerzählen ist der Intellekt der Größte. Doch, wo er hoffnungslos versagt, ist bezeichnenderweise bei dem, was den Intellekt übersteigt - und das ist Gott, das ist Unendlichkeit, Zeitlosigkeit, Ewigkeit und das Sein. Es heißt nicht umsonst: "Du sollst dir kein Bildnis machen..." Ich würde sagen: Du KANNST dir kein Bildnis machen von dem, was dein tiefstes Wesen ist, denn es ist das SEIN und kann nicht gedacht werden. Es ist aussichtslos, den Verstand zu bemühen. Die Gottes-Erkenntnis ist nicht sein Job. Er kann nur linear vorgehen, Gedanken entwickeln, sie fortspinnen und logische Schlüsse ziehen - in zeitlicher Abfolge. Er ist also gefangen in Zeit und Logik. Gott jedoch ist zeitlos und unlogisch. Er ist grenzenlos und frei.

Zum Glück gibt es andere Erkenntnismöglichkeiten in uns Menschen. Wir haben auch noch ein Herz und einen Bauch, wir haben Gefühle und Lebenskraft, Lebensfreude - und es gibt da eine Ebene über all diesem, auch über dem Verstand - wenn man schon ein Wort dafür finden muss, könnte man es vielleicht bestenfalls "Geist" nennen - vielleicht sagt man besser "Gewahrsein". Es ist eine Art des Schauens, so etwas wie ein Aussichtspunkt, eine Anwesenheit, ein Da-Sein, Ein Wahr-nehmen. All diese über-sinnlichen Sinnesorgane haben Erkenntnismöglichkeit - wobei nicht gedacht, sondern gesehen, gefühlt oder empfundenden wird. Das Einheitserlebnis kann NIEMALS aus dem Denken kommen.

Weil wir glauben, von Gott getrennt zu sein, empfinden wir Sehnsucht und Verlangen nach Gott. Wir wissen gar nicht mehr, dass wir ihn zutiefst in uns tragen, dass wir selbst Gott SIND. Wir leben in einer Scheinwelt, in einem Traum, der uns suggeriert, wir müssten ihn suchen, ihn finden, etwas tun, um ihm nahe zu kommen. Dabei ist er schon längst da. Die ganze Zeit, in jeder Sekunde, an jedem Ort, in deder Situation.

Da wir das aber nicht wissen, weil wir in einem Traum gefangen sind, basteln wir uns "Wege", wie wir Gott erreichen können. Die Sehnsucht und das Gefühl der Getrenntheit sind der Garant dafür, dass es etwas zu finden gibt. Und, wirklich: wer suchet der findet! Der spirituelle Weg lenkt die Energien der Suche in gewisse Bahnen, die ein Finden erleichtern sollen. Doch seien wir uns bitte bewusst, dass wir eigentlich schon längst da sind! Nur wissen wir es noch nicht.

Im Erwachen wird es uns schlagartig bewusst, dass wir jetzt und jederzeit von Gott erfüllt sind und dass es nichts zu suchen gibt. Bevor uns dies nicht geschehen ist, werden wir weiter suchen. Und was in uns sucht, ist Gott selbst, der sich nach der Einheit zurück sehnt, der sich finden möchte. Wir sind der Magnet, der sowohl Nord- als auch Südpol in sich trägt, der sich zerrissen fühlt und doch eins ist. Und diese Einheit ist erfahrbar, sie zu erkennen erlöst und befreit uns - nicht nur für kurze Zeit, sondern für den Rest unseres Lebens.

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